Convective Outlook für den 12.05.2015

    ***Ein Moderates Risiko wurde ausgegeben für die Harzregion, Nordthüringen, Sachsen-Anhalt und Teile von BRB und Mecklenburg Vorpommern, hauptsächlich für Schwere Sturmböen bis hin zu orkanartigen Böen.
    ***Ein Leichtes Risiko wurde ausgegeben für die Regionen vom westl. Harz bis an die Uckermark, Erzgebirge und Thüringen, hauptsächlich für mittelgroßen Hagel bis 4cm, Schwere Sturmböen und einem geringeren Risiko zu Starkregen in großen Mengen und Tornados
    ***Ein Leichtes Risiko wurde ausgegeben für die Regionen vom Sauerland über die Eifel und südöstlich davon, hauptsächlich für Starkregen in großen Mengen, Schwere Sturmböen und einer geringen Gefahr von mittelgroßen Hagel



    Synoptische Situation

    Rückseitig der heute noch wetterbestimmenden Hochdruckzelle gerät Deutschland morgen in den Einfluss einer hochreichenden, markanten Frontalzone, die sich von Nordwesten nähert und mit einem zyklonalen Windfeld vorderseitig weiter recht warme Luft heranführt.
    An die Frontalzone gekoppelt wandert morgen auch eine scharfe Kurzwelle über das nördliche Deutschland. Jene sorgt mit starken Temperaturgradienten - auch in der höheren Atmosphäre für einen starken Jetstream, der uns mit seiner Achse im Tagesverlauf von West nach Ost überquert. Bodennah trennt ein wellendes Frontensystem mit vorgelagerter Konvergenz die gealterte Subtropenluft von deutlich kälterer maritimer Subpolarluft und überquert den Norden und die Mitte ebenfalls im Laufe des Tages. Stromabwärts wird mit einem konfluenten Wind in der Höhe auch thermische Vorticity in großem Maße herangeführt und sorgt für einen zusätzlichen Hebungstrieb.
    Die präfrontal lagernde Subtropische Luftmasse labilisiert sich im Tagesverlauf mit einer hereinkommenden Feuchtezunge, welche gut an Mischungsverhältnissen um 10g/kg und Theta-E werten um 50°C erkennbar ist. Überlagert von recht steilen Laps-Rates um 6-7K/km sollte die Luftmasse damit deutlich aktiver werden.

    Ein postfrontaler Dryslot samt Druckanstieg forciert zudem zum Nachmittag hin das Frontensystem und beeinflusst damit auch etwaige Entwicklungen an der vorgelagerten Konvergenz, sodass diese deutlich beschleunigt und stärker werden sollten.
    Dementsprechend herrschen gute Bedigungen für themisch und dynamisch induzierte Auslöse im Vorhersagegebiet.

    Mit der einfließenden Trockenluft verschärft sich auch der vertikale Dichtegradient, sodass Delta-Theta-E von 12-16K als weiteres Indiz für eine sehr labile Schichtung sprechen.
    Summiert visualisieren GFS und WRF entsprechende MLCapes zwischen 500-1000J/kg an der vorgelagerten Konvergenz und bei genug Einstrahlung tagesgangbedingt bis zu 1500J/kg SBCape über Thüringen und BRB.
    Hohe Topografie in der hochreichend gestreckten subtropischen Luftmasse lässt die potentiellen Wolkentops auf bis zu 12km (-50°C) anwachsen, sodass hochreichende und starke Feuchtekonvektion sehr wahrscheinlich ist.

    Das Hauptindiz für eine sehr aktive Konvergenzzone ist die vor der Kurzwelle enorme Vorticity, welche zum einen durch Krümmung, zum anderen durch Scherung zustande kommt. Da diese primär den Norden stark beeinflusst ist hier mit den dynamischten Entwicklungen zu rechnen.

    Zelltypus/Gefahren

    Gebiete nördlich der Mittelgebirgen / Thüringen

    Schon früh überwandert die Konvergenz die nordwestlichen Teile, wo dem Tagesgang und einer Absinkinversion geschuldet noch relativ viel CINH die Entwicklung deckelt.
    Dennoch sind in den Vormittagsstunden erste starke Schauer und örtliche Gewitter zwischen Emsland und Weser möglich. Diese sind zu schwach für einen Risikobereich, können jedoch Sturmböen bringen.
    Zum Nachmittag hin verstärkt sich der Feuchtefluss und tageszeitlich bedingt die Erhitzung der Grundschicht, wodurch aus der Grundschicht heraus starke Konvektion an der Konvergenz induziert wird. Ob vorgelagert bereits früher erste Überraschung aus der Grenzschicht heraus möglich sind, ist fraglich, da GFS vom Zeitpunkt her deutlich zurückrudert.
    Seis drum. Der nun vor der steuernden Kurzwelle liegende Jet-Stream bietet an der Konvergenz die Option für Schwergewitter. Rund 1000J/kg MLCape werden von einer Scherung um 20-25m/s in 0-6km überlagert, wodurch starke Entwicklungen begünstigt werden. Vorderseitig der deutlich gekrümmten Isobaren an der Konvergenz entwickelt sich auch einiges an SRH 0-3km, sodass mit der Auslöse organisierter Multizellen gerechnet werden kann. Besonders entlang einer Linie Thüringer Becken - Harzvorland sind auch rotierende Aufwinde (Superzellen) denkbar.
    Das Ganze greift spätestens zum späteren Nachmittag ( 15-16Uhr) auf die Gebiete nordöstlich einer Linie Elbe - Saale über und kann sich dank der o.g. Hebungsindikatoren und starker Geschwindigkeitsscherung zu einem oder zwei großen Gewitterclustern (mögl. MCS ) mit linearen Segmenten, eingelagerten Mesos und entsprechend verbreiteter Unwettergefahr ausdehnen. Trotz hoher Zuggeschwindigkeiten ist bei PWAT Werten um 30-35g/kg und allgemein recht hoher Bodenfeuchte mit örtlichen Überschwemmungen durch Starkregen zu rechnen (primär bei gestaffelten Multizellen, größeren Systemen etc. ).
    Aufgrund der starken Höhenwinde und im Modell angedeuteter massiver Trockenluft ist auch die Entwicklung von Coldpools samt Downbursts und bis hin zu mittelgroßen Hagel zu erwarten. Die Downbursts können dabei signifikante Stärken über 100km/h erreichen und der Hagel Größen bis 4cm.
    Ewta zum Abend hin deutet sich mit einer Okkludierung der bodennahen Front eine langsame Entspannung der Situation durch fehlenden thermischen Antrieb an.
    Das betrifft die Gebiete Osterzgebirge - Lausitz, wenngleich auch hier noch lokale Unwetter möglich sind, jedoch seltener. Nördlich könnten sich die Systeme über Mecklenburg Vorpommern sogar nochmal verstärken, da am linken Jetausgang hier eine markante Divergenz am Tripplepoint simuliert wird.

    Südliches Hessen, RMG, Teile von BW und Bayern

    Etwas weniger Forciert und schleifender kommt die Front durch die ungünstige Jetlage hier daher. Zwar erreichen auch hier entlang der Feuchtezunge die Capewerte ordentliche Werte um oder knapp über 1000J/kg, jedoch fehlt der Hebungstrieb der scharf hereinkommenden Trogachse, sodass signifikante Liniensysteme hier seltener sind. Dafür zeigt sich hier die feuchteste Grundschicht - Grenzschicht, sodass etwaige Gewitteraufwinde dennoch thermisch bedingt in der Lage sind sich zu organisieren. Auch hier zeigt sich dank der sehr warmen Schichten in der mittleren Atmosphäre ein gewisses Potenzial zur Bildung von Coldpools, sodass sich unter 0-6km Scherung von 25-30m/s aus zunächst organisierten Multizellen größere Multizellencluster entwickeln können. Durch einen senkrecht zur Front verlaufenden Windstrom ist hier die Gefahr gestaffelter Zellen deutlich höher und entsprechend der hohen Feuchte eine große Gefahr für Überschwemmungen gegeben.
    Outflowdominante Zellen können auch hier signifikante Fallböen in nicht ganz so großer Ausdehnung bis 100km/h bringen. (UNWETTER) Die Gefahr für Hagel ist durch die Instabilität und etwaige Trockenschichten zwar gegeben, jedoch nicht ganz so groß, wie weiter nördlich. Örtlich ist dennoch Hagel bis 3cm möglich.
    Zum Abend hin beruhigt sich auch hier bedingt durch den zunehmend schmaler werdenden Warmsektor die Lage zunehmend.
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    Es ist nicht wichtig dem Leben mehr Jahre zu geben, sondern den Jahren mehr Leben zu geben.